Edelsteine begleiten Menschen seit Jahrhunderten – als Schmuck, Symbolträger und kleine Schätze des Alltags. Neben natürlichen Steinen gewinnen in den letzten Jahren synthetische Edelsteine, also im Labor hergestellte Steine, zunehmend an Bedeutung. Sie sehen echten Edelsteinen oft zum Verwechseln ähnlich, sind meist günstiger und in gleichbleibender Qualität verfügbar.
Gleichzeitig tauchen viele Fragen auf: Sind synthetische Edelsteine „unecht“? Wie unterscheiden sie sich von natürlichen Steinen in Optik, Wert, Nachhaltigkeit und Bedeutung? Und für welche Schmuckarten eignen sie sich besonders gut?
In diesem Ratgeber erhalten Sie einen gut verständlichen Überblick über synthetische und natürliche Edelsteine, ihre Eigenschaften sowie Vor- und Nachteile. So können Sie bewusst entscheiden, welche Variante besser zu Ihren Erwartungen, Ihrem Budget und Ihrem persönlichen Empfinden passt.
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Was sind synthetische Edelsteine?
Synthetische Edelsteine sind Edelsteine mit derselben chemischen Zusammensetzung und denselben physikalischen Eigenschaften wie ihre natürlichen Vorbilder – sie bestehen also aus demselben Material, besitzen die gleiche Härte und eine ähnliche Lichtbrechung. Der entscheidende Unterschied liegt im Entstehungsort: Natürliche Edelsteine wachsen über lange Zeiträume in der Erde, synthetische Steine werden in Laboren kontrolliert gezüchtet.
Ein synthetischer Rubin ist zum Beispiel aus demselben Material aufgebaut wie ein natürlicher Rubin. Er kann die gleiche rote Farbe, denselben Glanz und dieselbe Härte aufweisen, wurde aber nicht in einer Lagerstätte abgebaut, sondern in einer Anlage hergestellt, in der Temperatur, Druck und Ausgangsstoffe gezielt gesteuert werden. Für das bloße Auge – und oft auch für geübte Betrachterinnen und Betrachter – sind synthetische und natürliche Steine ohne Hilfsmittel kaum zu unterscheiden.
Im Schmuckbereich werden häufig unterschiedliche Begriffe verwendet, die nicht immer klar voneinander getrennt sind:
- Synthetischer Edelstein: Laborgezüchteter Edelstein mit identischer chemischer Zusammensetzung und vergleichbaren Eigenschaften zum natürlichen Vorbild, z. B. synthetischer Rubin, synthetischer Saphir.
- „Lab Grown“, „Created“ oder „Laborgezüchtet“: Englische oder handelsübliche Bezeichnungen, die im Prinzip dasselbe meinen wie „synthetisch“, also im Labor entstanden.
- Edelsteinsimulant / Imitat: Materialien, die nur so aussehen wie ein bestimmter Edelstein, z. B. Glas, Zirkonia oder andere Schmucksteine, die die Farbe eines Rubins oder Saphirs nachahmen, chemisch aber etwas ganz anderes sind.
Zusätzlich gibt es behandelte natürliche Edelsteine:
- Behandelte Edelsteine: Natürliche Steine, bei denen Farbe oder Klarheit durch Erhitzen, Färben, Ölen, Imprägnieren oder andere Verfahren verändert oder verbessert wurden. Der Stein ist in seinem Ursprung natürlich, wurde aber nachträglich beeinflusst.
Für die Einordnung ist es hilfreich, sich drei Gruppen vor Augen zu halten: natürliche, unbehandelte Edelsteine, synthetische Edelsteine mit gleicher Zusammensetzung, und Imitate, die nur die Optik nachbilden. Seriöse Händler kennzeichnen diese Unterschiede klar – in der Produktbeschreibung, auf Etiketten oder auf Nachfrage –, damit Sie eine bewusste Entscheidung treffen können.
Wie entstehen synthetische Edelsteine im Labor?

Während natürliche Edelsteine über Millionen von Jahren unter hohem Druck und hohen Temperaturen im Erdinneren entstehen, werden synthetische Steine in technisch kontrollierten Verfahren gezüchtet. In speziell dafür eingerichteten Anlagen werden Temperatur, Druck, Ausgangsmaterial und Wachstumsdauer so gesteuert, dass Kristalle mit möglichst gleichmäßigen Eigenschaften entstehen.
Je nach Edelsteinart kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Besonders häufig sind:
- Hydrothermale Verfahren: Der Edelstein wächst in einer heißen, unter Druck stehenden Lösung, die mineralische Bestandteile enthält. In einem geschlossenen Behälter zirkuliert diese Lösung, lagert nach und nach Material an einem „Impfsamen“ (einem kleinen Kristallkern) ab und lässt so einen größeren Kristall heranwachsen – gewissermaßen eine geologische „Schnellversion“ natürlicher Entstehung.
- Schmelzverfahren: Ausgangsmaterial wird geschmolzen und anschließend kontrolliert wieder auskristallisiert. Durch langsame Abkühlung und gezielte Steuerung der Bedingungen können größere, klare Kristalle entstehen. Dieses Prinzip wird zum Beispiel bei bestimmten synthetischen Rubinen und Saphiren genutzt.
Für synthetische Diamanten kommen zusätzliche, spezialisierte Verfahren zum Einsatz, z. B.:
- HPHT-Verfahren (High Pressure High Temperature): Kohlenstoff wird unter sehr hohem Druck und bei hohen Temperaturen zu Diamant umgewandelt – in einer Umgebung, die die natürlichen Bedingungen im Erdinneren technisch nachahmt.
- CVD-Verfahren (Chemical Vapour Deposition): Kohlenstoffhaltige Gase werden in eine spezielle Kammer geleitet, wo sich Kohlenstoffschichten auf einem Träger aufbauen und so ein Diamantkristall „von oben nach unten“ wächst.
Gemeinsam ist all diesen Verfahren, dass sie auf Planbarkeit ausgelegt sind: Farbe, Größe und Reinheit der Kristalle sollen sich in gewissen Grenzen steuern lassen. So können Steine mit gewünschten Eigenschaften erzeugt werden, die sich für die Schmuckfertigung gut kalkulieren lassen.
Für Sie als Trägerin oder Träger heißt das: Synthetische Steine bieten viel Spielraum bei Designs, Farben und Formaten – ohne abhängig zu sein von seltenen Lagerstätten oder zufälligen Funden. Gleichzeitig bleibt jeder Schmuck ein Einzelstück, weil Fassungen, Kombinationen und Tragegewohnheiten immer individuell sind.
Natürliche vs. synthetische Edelsteine im Vergleich
Natürliche und synthetische Edelsteine stehen sich nicht als „gut“ und „schlecht“ gegenüber, sondern als zwei unterschiedliche Wege, Schönheit in Schmuck einfließen zu lassen. Beide Varianten haben klare Stärken – und Grenzen. Welche besser passt, hängt von Ihren Erwartungen an Optik, Einzigartigkeit, Preis und Bedeutung ab.
Optik, Einschlüsse und Individualität

Natürliche Edelsteine entstehen über sehr lange Zeiträume in der Erde. Druckschwankungen, Temperaturunterschiede und wechselnde chemische Bedingungen hinterlassen Spuren: sichtbare und unsichtbare Einschlüsse, feine Wachstumsstrukturen, leichte Farbzonierungen oder kleine Risse. Unter der Lupe zeigen sich oft winzige „Wolken“, Punkte oder Linien, die die Entstehungsgeschichte widerspiegeln.
Genau diese Merkmale machen einen Stein unverwechselbar – kein Exemplar gleicht genau dem anderen. Viele Menschen schätzen diese Individualität und empfinden kleine „Unregelmäßigkeiten“ als Teil des Charmes und der Authentizität eines natürlichen Steins. In hochwertigen Stücken werden Einschlüsse nicht versteckt, sondern bewusst akzeptiert, solange sie die Stabilität und Optik nicht übermäßig beeinträchtigen.
Synthetische Edelsteine werden dagegen unter kontrollierten Bedingungen hergestellt. Farbton und Reinheit lassen sich deutlich stärker steuern; Einschlüsse und Unregelmäßigkeiten treten seltener auf oder folgen typischen Mustern, die mit dem Herstellungsverfahren zusammenhängen. Das Ergebnis sind häufig sehr klare, intensiv gefärbte Steine, bei denen Farbe und Brillanz innerhalb einer Serie gut reproduzierbar sind.
Für das menschliche Auge bedeutet das:
- Synthetische Steine wirken oft „perfekter“: gleichmäßige Farbe, hohe Transparenz, wenig ablenkende Einschlüsse. Das kann gerade bei größeren Steinen oder stark farbigen Designs sehr reizvoll sein.
- Natürliche Steine wirken häufig lebendiger: Leichte Farbverläufe oder kleine innere Merkmale sorgen dafür, dass ein Stein in jeder Lichtsituation ein wenig anders wirkt – ein Effekt, den viele Trägerinnen und Träger besonders schätzen.
Fachleute nutzen genau diese Details, um zwischen natürlichen und synthetischen Steinen zu unterscheiden – mit Lupen, Mikroskopen und weiteren Prüfgeräten. Im Alltag steht jedoch die persönliche Wahrnehmung im Vordergrund: Möchten Sie einen möglichst klaren, intensiven Farbstein, oder fühlen Sie sich zu der leicht „unperfekten“ Ausstrahlung eines Naturprodukts hingezogen?
Eine hilfreiche Orientierung kann sein:
- Wenn Sie perfekte Optik, starke Farben und möglichst wenige Einschlüsse bevorzugen, sind synthetische Edelsteine eine interessante Option – besonders für auffällige Designs und größere Steine.
- Wenn Sie den Reiz eines einzigartigen Naturprodukts und sichtbare Spuren der Entstehung schätzen, werden Sie eher zu natürlichen Steinen greifen, auch wenn diese optisch nicht „makellos“ sind.
Preis, Verfügbarkeit und Wertentwicklung
Einer der auffälligsten Unterschiede liegt im Preis: Synthetische Edelsteine sind in der Regel deutlich günstiger als vergleichbare natürliche Steine. Je nach Steinart und Qualität können die Preisunterschiede sehr groß sein.
Das hat praktische Vorteile:
- Sie können größere Steine oder ausgefallenere Designs wählen, ohne dass das Budget im selben Maß steigt.
- Für Schmuck, der täglich getragen oder häufig gewechselt wird, sind synthetische Steine oft eine sehr attraktive Lösung.
Natürliche Edelsteine dagegen sind – je nach Seltenheit, Qualität und Nachfrage – oft stärker mit dem Thema Wertentwicklung verknüpft. Sie gelten nicht nur als Schmuck, sondern teilweise auch als Wertanlage oder Sammlerobjekte. Wie sich der Wert im Einzelfall entwickelt, hängt jedoch von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht garantieren.
Für eine bewusste Entscheidung hilft eine einfache Leitfrage:
- Steht für Sie vor allem Design, Farbe und Alltagstauglichkeit im Mittelpunkt, bieten synthetische Edelsteine viel Spielraum.
- Ist Ihnen die natürliche Entstehungsgeschichte und ein möglicher späterer Wiederverkaufswert wichtig, sind natürliche Steine die passendere Wahl.
Nachhaltigkeit und Ethik – sind synthetische Steine „besser“?
Aus ethischer Sicht stellt sich oft die Frage, ob synthetische Edelsteine grundsätzlich die „bessere“ Wahl sind. Die Antwort ist differenziert.
Auf der einen Seite umgehen Laborsteine viele Herausforderungen des klassischen Bergbaus:
- Es werden keine Landschaften aufgebrochen, keine offenen Gruben hinterlassen und keine Flüsse durch Abraum belastet.
- Probleme wie Kinderarbeit oder gefährliche Arbeitsbedingungen in informellen Minen spielen bei Laborsteinen keine Rolle.
Auf der anderen Seite benötigen auch synthetische Edelsteine Energie und Infrastruktur für ihre Herstellung. Je nach Verfahren, Strommix und Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten kann die Bilanz sehr unterschiedlich ausfallen.
Wichtig ist daher, nicht von vornherein anzunehmen, dass synthetische Steine automatisch „perfekt nachhaltig“ sind. Sie können ein wichtiger Baustein für bewussteren Schmuck sein – besonders, wenn sie lange getragen und wertgeschätzt werden.
Wenn Sie sich intensiver mit den Hintergründen von Bergbau, Arbeitsbedingungen und Umweltfolgen beschäftigen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren ausführlichen Ratgeber Ethische Edelsteine – Verantwortung in der Lieferkette .
Energie und Bedeutung – wenn die „Wirkung“ wichtig ist
Viele Menschen verbinden mit Edelsteinen nicht nur Farben und Formen, sondern auch symbolische oder energetische Bedeutungen – etwa Harmonie, Klarheit, Schutz oder Stärke.
Für diejenigen, die an eine solche Wirkung glauben, spielt oft eine Rolle, dass natürliche Edelsteine über lange geologische Zeiträume in der Erde entstanden sind. Diese Entstehungsgeschichte wird als Teil der Ausstrahlung empfunden.
Synthetische Edelsteine besitzen dieselbe chemische Struktur wie ihre natürlichen Vorbilder, entstehen jedoch im Labor. Ob sie für Sie persönlich eine ähnliche Bedeutung entfalten, hängt stark von Ihrer eigenen Sichtweise ab:
- Wenn Ihnen vor allem die Optik und Farbwirkung wichtig sind, können synthetische und natürliche Steine gleichermaßen Freude bereiten.
- Wenn Sie Edelsteine vor allem über ihre natürliche Entstehung und Symbolik wahrnehmen, werden Sie möglicherweise eher zu naturgewachsenen Steinen tendieren.
Für welche Schmuckarten eignen sich synthetische Edelsteine?

Synthetische Edelsteine lassen sich in vielen Bereichen des Schmucks sinnvoll einsetzen – je nach gewünschter Optik, Budget und Tragegewohnheiten.
- Ringe: Für auffällige Ringe mit größeren Steinen, die dennoch alltagstauglich bleiben sollen, bieten synthetische Steine viel Gestaltungsspielraum und ermöglichen eindrucksvolle Designs zu moderaterem Preis.
- Anhänger und Ketten: Farbintensive synthetische Steine können Solitäranhänger und Edelsteinketten zum Strahlen bringen – besonders, wenn eine bestimmte Farbe oder ein bestimmtes Design im Vordergrund steht.
- Ohrringe: Ohrstecker oder Hänger mit synthetischen Steinen sind ideal, wenn funkelnde Optik und ein angenehmes Tragegefühl gewünscht sind, ohne ein sehr hohes Budget einzuplanen.
- Armbänder: Bei Armbändern, die im Alltag oft beansprucht werden, können synthetische Steine eine gute Option für modische Akzente sein – gerade in Kombination mit ruhigen Designs und robusten Fassungen.
Eine Auswahl an Edelsteinschmuck – mit verschiedenen Steinarten, Formen und Fassungen – finden Sie in unserer Kategorie Edelsteinschmuck . Dort können Sie gezielt nach Ringen, Ketten, Anhängern, Ohrringen und Armbändern stöbern und entscheiden, ob Sie natürliche oder synthetische Edelsteine als Schmuck kaufen möchten, die zu Ihrem Alltag und Ihren Vorstellungen passen.
Wie erkennen Sie synthetische Edelsteine im Schmuck?
Mit bloßem Auge ist es häufig nicht möglich, einen natürlichen Edelstein eindeutig von einem synthetischen zu unterscheiden – dafür braucht es in der Regel Fachwissen und spezielle Prüfgeräte. Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, an denen Sie sich orientieren können.
Kennzeichnung und Produktbeschreibung
- Seriöse Händler geben in der Produktbeschreibung an, ob ein Stein natürlich, synthetisch oder ein Imitat ist.
- Begriffe wie „Lab Grown“, „synthetischer Rubin“ oder „synthetischer Saphir“ weisen auf Laborsteine hin. Formulierungen wie „ähnlich wie…“ oder „in Rubinfarbe“ können auf Imitate hindeuten.
Fragen an den Fachhandel
Wenn Sie sicher sein möchten, fragen Sie im Zweifel nach:
- „Handelt es sich bei diesem Stein um einen natürlichen oder einen synthetischen Edelstein?“
- „Wird der Stein als synthetisch oder als Imitat geführt?“
- „Gibt es Unterlagen oder Angaben dazu, wie der Stein bezeichnet wird?“
Ein Fachhandel, der sich mit dem Thema auseinandersetzt, kann in der Regel gut erklären, wie Steine im Sortiment eingeordnet und beschrieben werden.